Nationalrat stimmt über Kopftuchverbot in Österreich ab
Na endlich sorgt der österreichische Nationalrat wieder für Ordnung – zumindest auf soziokulturell bedrohlichen Kinderköpfen. Wer hätte gedacht, dass das größte Problem an österreichischen Schulen nicht etwa Lehrermangel, veraltete Lehrpläne oder die Tatsache ist, dass die WLAN-Verbindung zuverlässiger scheitert als Mathetests der 7b, sondern: das Kopftuch. Weil nichts bedroht die Bildungsnation mehr als ein Stück Stoff auf dem Kopf eines 13-jährigen Mädchens. Her mit dem Notfallgesetz!
Natürlich geht es den Verfechtern des Verbots – laut eigenen Angaben – um die „Befreiung“ des Mädchens. Mit Zwang. Denn nichts schreit so sehr nach Freiheit wie ein staatlich verordnetes Kleidungsverbot für Minderjährige. Dass man dabei die betroffenen Kinder gar nicht gefragt hat? Pfff, Details! Wahrscheinlich wollen Mädchen unter 14 sowieso am liebsten ihre Kleidungsfreiheit von älteren Herren im Parlament erklärt bekommen.
Erstaunlich auch, wie gezielt man sich um die Gleichberechtigung sorgt – aber nur, wenn die betroffenen Mädchen muslimisch sind. Frisurenpolizei exklusiv für eine Religion? Bravo. Das ist Diversität auf österreichisch: Alle dürfen frei sein. Außer natürlich, sie sehen anders aus, glauben anders oder – Gott bewahre – haben Eltern mit Migrationshintergrund.
Und weil wir schon dabei sind: Wäre es nicht großartig, wenn das Verbot auf alles ausgeweitet wird, was Kindern schaden könnte? Zum Beispiel Glitzer-T-Shirts mit „#Princess“ drauf, die Mädchen spätestens mit 12 nachhaltig beschädigen? Oder den Lehrfilm aus den 90ern, der Sexualkunde erklärt, als wär’s ein Biologie-Spezial über Pandas? Und natürlich darf auch der Diktat-Freitag nicht vergessen werden – schließlich ist das mindestens genauso traumatisierend wie ein Tuch auf dem Kopf!
Aber zurück zur Debatte. Wer jetzt Argumente wie “Religionsfreiheit” vorgaukelt oder gar auf die Verfassung verweist, hat offenbar das Memo verpasst: In Österreich hat das nationale Bauchgefühl Verfassungsrang. Und wenn dieses Gefühl sagt „Uff, fremd“, dann marschiert die Gesetzgebung eben im Takt.
Fazit: Bravo, Nationalrat! Wieder mal gezeigt, wie man sich einem bedeutungsschwangeren Thema widmet, das mit Mühe und Not einen Promillewert tatsächlicher Probleme in der Bildungspolitik ausmacht. Was für ein Triumph über Integration und Toleranz! Und das Ganze pünktlich vor der Wahl – rein zufällig, versteht sich.
Bleibt nur noch eine Frage: Wenn Kopftücher auf Sinne, Bildung und Gleichstellung so eine bedrohliche Wirkung haben – warum tragen nicht alle Politiker:innen bei Gesetzesbeschlüssen eins?

