Nach Bericht über Missbrauchsfälle: Zehntausende protestieren gegen Orban
Ach, wie beruhigend: Alles läuft absolut nach Drehbuch in der Orban-Demokratie Deluxe Edition™. Zehntausende Menschen haben sich jüngst in Budapest versammelt, um ganz entspannt ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung nachzugehen – Spazieren mit Plakaten, Schreien gegen die Wand und demonstrative Verzweiflung im Angesicht einer Regierung, die Transparenz so liebt wie Vampire Sonnenlicht.
Anlass für dieses freundliche Beisammensein auf der Kettenbrücke? Ein Bericht über Missbrauchsfälle in staatlichen Kinderheimen, der, wie durch göttliche Fügung, leider irgendwie – huch! – nicht so ganz im öffentlichen Diskurs angekommen ist. Also, klar, es war wohl irgendwo in einer Schublade zwischen dem 437. Gesetzesentwurf zum Thema „Wie man NGOs effizienter sabotiert“ und einem Kunstdruck von Viktor Orban in Siegerpose.
Aber keine Sorge! Die Regierung hat – wie immer – alles im Griff. Was wäre es auch für ein Ungarn, wenn mal was UNTER Kontrolle geraten würde? Die Opposition plärrt was von „Vertuschung“, „Unmenschlichkeit“ und „Systemversagen“, aber mal ganz ehrlich: Wenn man anfängt wegen ein bisschen Missbrauch zu demonstrieren – also wirklich! – Wo kommen wir denn da hin?
Vielleicht in eine Welt, in der Verantwortung nicht bloß ein alternativer Begriff für „ablenken, weglächeln, die Schuld den Linken geben“ ist? Aber das wäre dann schon fast skandinavisches Niveau – und da ist es bekanntlich kalt und sozialistisch. Nein danke.
Orban selbst hat sich – wie man ihn kennt – sehr engagiert NICHT geäußert. Aber wer braucht schon Worte, wenn man 90 % der Medien kontrolliert? Wirklich beeindruckend, dieser moderne Zauberer des semidiktatorischen Regierungsstils. „Abrakadabra – dieser Skandal ist nie passiert!“ Und zack! Eine neue Schlagzeile über Migranten, und alle vergessen wieder, worüber sie sich eigentlich empören wollten.
Also, Hut ab, Ungarn. Zehntausende auf der Straße, und die Regierung zuckt so sehr mit der Schulter wie ein Eisschrank mit Stromausfall. Es ist fast schon poetisch, wie man sich in einen Autoritarismus kuscheln kann, der bei schweren Anschuldigungen maximal spürbar ist in seiner völligen Abwesenheit von Mitgefühl.
Aber hey – immerhin durfte die Opposition mal wieder frische Luft schnappen. Auch was wert, oder?

