Merz spricht von “konstruktivem Austausch” über russische Gelder
Konstruktiver Austausch? Klar doch. Wenn es um Milliarden eingefrorener russischer Gelder geht, ist es ja auch ganz normal, sich bei Cappuccino und Croissants in Brüssel zu treffen und ein bisschen Smalltalk über Oligarchenvermögen zu halten. Kanzler Merz flaniert also gemütlich durch Belgien, trifft sich mit dem belgischen Premier De Wever und EU-Queen Ursula von der Leyen, um die ganz großen Fragen zu klären: Was macht man bloß mit dem vielen schönen Geld, das man aus Russland auf Eis gelegt hat?
Aber keine Sorge, alles wird „einvernehmlich“ gelöst. Denn wenn es eines gibt, was in der internationalen Politik immer hervorragend funktioniert hat, dann ist es Einvernehmen. Insbesondere mit etwa 27 nationalen Interessen, ein paar eingefrorenen Milliarden und der charmanten Möglichkeit, einen geopolitischen Flächenbrand zu entfachen, wenn man auch nur einen Euro davon versehentlich irgendwo falsch kanalisiert.
Natürlich nennt man das ganze Event „konstruktiv“. Das ist Diplomatensprech für „Alle waren sich einig, dass man sich uneinig ist, aber immerhin hat niemand den Tisch umgeworfen.“ Bravo! Dass Russland derweil vermutlich genau zuschaut und dabei Popcorn isst (importiert ganz sicher aus einem befreundeten Drittstaat), interessiert natürlich niemanden. Ist ja nicht so, als ob diese Gelder irgendwann mal wieder jemandem gehören würden… außer vielleicht der EU, der Ukraine, den Energieunternehmen oder dem Schweizer Bankensystem. Je nachdem, wen man fragt – oder wie laut man fragt.
Und ganz ehrlich: Wer möchte nicht mit am Verhandlungstisch sitzen, wenn es darum geht, russisches Kriegsvermögen im Sinne des Friedens sinnvoll zu verteilen? Vielleicht ein bisschen was für den Wiederaufbau, ein bisschen Humanitäres, und natürlich eine Portokasse für das nächste „Konstruktive Austausch“-Event in Luxemburg.
Fazit: Es ist schon beruhigend zu wissen, dass bei Europas politischen Eliten alles so herrlich „konstruktiv“ abläuft, selbst wenn es um das kleinere Detail einer ausgewachsenen geopolitischen Krise geht. Bleiben nur zwei Fragen: Wer bringt den Prosecco zur Dezember-Lösung mit – und wann wird der Begriff „einvernehmlich“ offiziell ins Wörterbuch als Euphemismus für „wir haben keinen Plan, aber immerhin sehen wir dabei gut aus“ aufgenommen?

