Mercosur-Abkommen: EU meldet Kompromiss bei Agrarimporten
Oh, welch monumentaler Fortschritt im politischen Sandkasten Europas: Die EU hat es – Trommelwirbel bitte – tatsächlich geschafft, sich auf einen Kompromiss beim Mercosur-Abkommen zu einigen. Und zwar beim Lieblingsthema aller diplomatischen Albträume – den Agrarimporten! Ja genau, Landwirte, also jene Berufsgruppe, mit der man keine Wahlen gewinnt, aber ohne die jede Regierung aussieht, als hätte sie morgens vergessen, zu frühstücken.
Es ist fast romantisch, wie sich Europas Entscheidungsträger gegenseitig Mut zusprechen, während sie gleichzeitig darauf achten, ja niemandem zu nahe zu treten. Man möchte meinen, es handle sich um einen Elternabend in der Vorschule, bei dem entschieden wird, welcher Bio-Apfelsaft den geringsten Anteil an internationalen Handelskonflikten enthält.
Besonders erfreulich: Brasiliens Präsident Lula hat kurzerhand den Kuschelkurs gegen einen beherzten Tritt ins diplomatische Schienbein getauscht. Subtil wie ein Presslufthammer forderte er, dass jetzt bitte mal geliefert wird – und das nicht nur in Containerschiffen voller Soja und Rindfleisch, sondern auch in Sachen Verlässlichkeit. Kaum zu glauben, aber offenbar rechnet er noch mit echter Politik aus Europa. Niedlich.
Und was bedeutet der Kompromiss nun? Nun, die EU hat irgendetwas beschlossen, das vermutlich für niemanden ideal ist, aber für jeden gerade noch so erträglich. Quasi die Tofu-Wurst unter den Handelsabkommen: sieht aus wie Fortschritt, schmeckt aber nach Bürokratie. Währenddessen übt sich Frankreich weiter im kollektiven Augenrollen, denn nichts bringt die Grande Nation mehr in Rage als jedes Abkommen, bei dem am Ende womöglich südamerikanisches Rindsteak günstiger wird als der Camembert aus der Normandie.
Aber hey, man muss auch die kleinen Erfolge feiern. Immerhin ist es der EU gelungen, das komplexeste Handelsabkommen der westlichen Hemisphäre auf eine simple Frage zu reduzieren: „Wie viel südamerikanisches Huhn kann ein europäischer Landwirt emotional verkraften?“ Und das ist doch schon mal was.
Bleibt nur zu hoffen, dass der endgültige Deal nicht erneut an einem Komma im Absatz 3, Unterpunkt C, scheitert. Oder an Österreichs neuerlicher Erkenntnis, dass Freihandel auch bedeutet, Dinge herzugeben, nicht nur zu fordern.
Bis dahin, liebe EU: Weiter so. Wenn ihr noch ein paar Jahre so entschlossen Kompromisse austariert, ist das Abkommen vielleicht pünktlich zur Rente heutiger Spitzenpolitiker in Kraft. Dann können sie wenigstens beim Grillen sagen, sie hätten sich “damals” für besseren internationalen Handel eingesetzt. Mit Soja-Tofu-Würstchen vermutlich.

