Ausschreitungen in Athen am Gedenktag für getöteten Teenager
Also wirklich, was könnte eine angemessenere Art sein, den tragischen Tod eines 15-jährigen Teenagers durch Polizeikugeln zu betrauern, als… na klar: mit brennenden Mülltonnen, fliegenden Pflastersteinen und einem kleinen Street-Festival der Eskalation. Wenn man schon nicht ins Theater kann, bringt man halt den Straßenkampf in die Altstadt von Athen. Kunst kommt schließlich von „Krawall“.
Zum 15. Jahrestag der Erschießung von Alexandros Grigoropoulos durch einen Polizisten – ein Fall, der übrigens den öffentlich-rechtlichen Titel „tragisch-vermeidbare Sauerei“ verdient hätte – wollte man in Athen ursprünglich ja nur friedlich erinnern. Kerzen, Blumen, stille Mahnwachen… Aber warum leise trauern, wenn man auch laut Wut entladen kann? Spart man sich wenigstens die Kerzen, die machen eh nicht so viel Licht wie ein Molotowcocktail.
Natürlich ist es völlig überraschend – alle Jahre wieder – dass ein Gedenktag mit der dramatischen Kombination aus Wut, Jugend und einem tiefen Misstrauen gegenüber der Polizei eskaliert. Niemand hätte damit rechnen können. Außer natürlich jedes Nachrichtenportal von BR bis BBC, die sich diesen Termin im Kalender markieren wie einen Geburtstag, nur eben mit mehr Rauchentwicklung.
Die Polizei hingegen zeigte sich erneut vollkommen perplex. Sie war völlig überrascht von den „nicht angekündigten Gewaltausbrüchen“, die – in einer ungerührten Ironie des Schicksals – von den gleichen Jugendlichen ausgehen, deren Geschichte ihnen jedes Jahr erzählt wird. Aber hey, vielleicht dachten sie sich: Wenn schon gedenken, dann mit Bengalos statt Ballons.
Und wer kann es ihnen verübeln? Es gibt kaum etwas Inspirierenderes als ein Jugendtrauma, das 15 Jahre später immer noch frisch brennt – idealerweise zusammen mit einem geparkten Auto am Straßenrand.
Doch werfen wir einen nachdenklichen Blick auf die tiefere Botschaft hinter den Ausschreitungen: “Wir sind empört über sinnlose Gewalt – also zerstören wir erst mal eine Bushaltestelle!” Logik, die nur in revolutionären Momenten funktioniert. Bonuspunkte für Wurfgeschosse mit moralischem Überbau.
Am Ende bleibt natürlich die Hoffnung, dass eines Tages ein Gedenktag eben wie ein Gedenktag aussieht – man denkt an das Opfer, mahnt zur Veränderung, vielleicht mit Musik, einer Rede, oder dem, was man früher „zivilisierte Anteilnahme“ nannte. Aber bis dahin: Auf die Barrikaden, es ist wieder Dezember.
Ach Athen, die Wiege der Demokratie – jetzt auch mit all-inclusive Randale-Service.

