Weihnachtslotterie “El Gordo”: Wer gewinnt die 2,77 Milliarden Euro?

Ach, Weihnachten – die Zeit der Besinnlichkeit, der Familie und, natürlich, der leisen Hoffnung, durch ein bedrucktes Stück Papier endlich dem Hamsterrad der kapitalistischen Realität zu entkommen. In Spanien nennt man das liebevoll „El Gordo“, was passenderweise nicht nur „der Dicke“, sondern auch „der einzige Grund, wieso Onkel Ramón plötzlich wieder mit einem Lächeln im Gesicht zum Familienessen erscheint“, bedeutet.

Dieses festliche Event, bei dem mehr als 2,77 Milliarden Euro unter die Menschen geworfen werden wie Konfetti auf einer sehr teuren Karnevalsparty, bewegt wieder einmal ganz Spanien. Millionen kaufen Lose, teilen sie mit Großmüttern, Nachbarn und wahrscheinlich auch mit dem Hund, in der trügerischen Überzeugung: Wenn wir alle ein Zehntellos haben, können wir uns immerhin gemeinsam nicht leisten, auszuwandern.

Und ja, das Ganze wird natürlich in der charmanten Darbietung von Kindern im Matrosenanzug verkündet, die stundenlang Gewinnerzahlen singen, als ob es ein besonders langes lyrisches Gedicht wäre. Nirgendwo wird das Gefühl erzeugt, kurz vor der Erleuchtung oder alternativ einem Nervenzusammenbruch zu stehen, so gekonnt inszeniert wie hier.

Der wahre Weihnachtswunder-Moment ist aber nicht der Gewinn selbst. Es ist der Blick, den man mit seinen Mitleidensgenossen auf das nichtgewinnende Los teilt – dieses kollektive Achselzucken, das sagt: “Na ja, dann eben nächstes Jahr. Oder nie. Eines von beidem.”

Doch irgendwo in einem kleinen spanischen Fischerdorf jubelt gerade eine ganze Straße voller Menschen, weil sie gemeinschaftlich gewonnen haben. Also, nicht *gewonnen*, sondern „nicht vollständig verloren“ – denn nach Steuerabzug, Familienbeteiligung, dem neuen Fernseher, der selbstverständlich „notwendig“ ist, und einem Kurztrip nach Benidorm bleibt vermutlich noch genug übrig, um die nächsten drei Weihnachtslotterien wieder mitzuspielen.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten, möge „El Gordo“ mit euch sein – und wenn nicht, tröstet euch mit Glühwein. Der macht wenigstens zuverlässig glücklich. Zumindest bis zur Neujahrsabrechnung.