Junge Italiener: Nach Deutschland – wie damals die “Gastarbeiter”

Ach, wie romantisch: Die Geschichte wiederholt sich! Fast auf den Tag genau 70 Jahre nach dem legendären Anwerbeabkommen von 1955 entdecken junge Italiener Deutschland wieder als das Land der unbegrenzten (ok, sagen wir… ausreichend vorhandenen) Möglichkeiten. Der Traum vom Wirtschaftswunder lebt – nur diesmal eben mit WLAN, Mindestlohn und der sternhagelvollen Hoffnung, dass Berliner Behörden irgendwann auf E-Mails antworten.

Damals kamen die “Gastarbeiter”, um in Fabriken zu schuften und Aldi-Regale mit Ravioli in Dosen zu füllen. Heute kommen sie, weil in Italien anscheinend nur noch zwei Karrieren realistisch sind: Espresso-Schaum-Künstler in Neapel oder unbezahlter Praktikant bei Nonna. Und wie wir alle wissen, kann man sich von Liebe, Pasta und Instagram-Influencer-Träumen eben doch keine Wohnung in Mailand leisten. Überraschung!

Also heißt es: Arrivederci Bella Italia, hallo Bausparvertrag! In Deutschland warten schließlich sichere Jobs, pünktliche S-Bahnen… und eine Bürokratie, die Kafka persönlich zu Tränen gerührt hätte. Klar, der Jobeinstieg ist hier fantastisch einfach – zumindest, wenn man ein abgeschlossenes Studium, fließendes Deutsch, Erfahrung aus drei Praktika und gleichzeitig Zeit hat, beim Amt sieben Mal denselben Wisch vorzulegen (mit unterschriebener Kopie der Handschrift deiner Oma, auf Recyclingpapier, bitte).

Und während man versucht, “Steuer-ID” nicht mit “Steuer-Alptraum” zu verwechseln, freut man sich natürlich auf deutsche Kolleginnen und Kollegen, die einen herzlich mit den Worten “Du kommst aus Italien? Dann kannst du sicher gut kochen!” begrüßen. Lebenslanges Klischee-Upgrade inklusive. Molto professionell.

In gewisser Weise hat sich also nichts geändert: Deutschland braucht Arbeitskräfte, Italien verliert junge Talente – eine Win-Win-Situation, zumindest für deutsche Rentenfonds und Berliner Miethaie. Und immerhin gibt’s auch heute noch die gute alte Tradition, dass italienische Expats nach Feierabend am Bahnhof rumstehen… nur dass sie jetzt nach einem Sparkassen-Termin suchen statt nach dem Zug ins Ruhrgebiet.

Aber hey: Hauptsache, die Pizza bleibt besser als in der Kantine. Da hört die europäische Integration nämlich ganz eindeutig auf.