Nach Bericht über Missbrauchsfälle: Zehntausende protestieren gegen Orban
Ach, was wäre ein demokratischer Staat ohne gelegentliche kleine Skandale – wie etwa die Vertuschung von Missbrauch in staatlichen Kinderheimen? In Ungarn jedenfalls scheint Premierminister Viktor Orban das politische Äquivalent zu einem Kaugummi unter dem Schuh zu sein: hartnäckig klebrig und irgendwie unzerstörbar.
Zehntausende Menschen haben sich in Budapest versammelt, um gegen genau das zu protestieren – und nein, nicht weil sie total Fans von Straßendemonstrationen bei zwielichtigem Frühlingswetter sind, sondern weil sich das Orban’sche Kabinett offenbar dachte: Missbrauchsskandal? Löschen wir doch einfach den Bericht. Weg ist weg, oder? 1984 ruft und will sein Zensurkonzept zurück.
Es ist schon rührend, wie die Regierung auf Transparenz setzt – in etwa so wie ein Ziegelstein auf Durchlässigkeit. Kritiker werfen der Regierungspartei vor, einen Bericht über sexualisierte Gewalt gegen Kinder in staatlichen Einrichtungen bewusst unter Verschluss gehalten zu haben. Aber hey, das klingt doch ganz nach Familienwerten im ungarischen Sinne, nicht? Natürlich nur, solange niemand die unangenehmen Details wissen will.
Und was macht Orban währenddessen? Wahrscheinlich zieht er sich mit einem Latte Macchiato in sein Büro zurück (natürlich nicht aus Trendbewusstsein, sondern weil Espresso ihm zu links ist), während draußen Menschen demokratische Hinweise verteilen – auch bekannt als Protestschilder.
Die Protestierenden fordern unter anderem den Rücktritt des Bildungsministers. Noch besser wäre aber wohl ein Grundkurs in „Wie man nicht wie ein kompletter Soziopath regiert“. Bonuspunkte für jede bestandene Lektion in Ethik – ein bislang offenkundig unerschlossenes Fachgebiet im Regierungszirkel.
Aber wer weiß? Vielleicht lenkt der nächste Wahlkampf von all dem ab. Bis dahin: Weiter so, Ungarn. Immer schön das autoritäre Bingo spielen – mit neuen Feldern wie “Skandal? Welcher Skandal?”, “Wir haben nichts zu verbergen, außer das, was wir vertuschen” und natürlich dem Dauerbrenner “Lügenpresse! (außer wenn sie für uns schreibt)”.
In einer Welt, in der Regierungen Verantwortung übernehmen, wäre Orban nur ein Running Gag auf einer schlecht besuchten Open-Mic-Night. Leider leben wir in Ungarn – also bleibt’s bei der Tragikomödie.

