Aus vom Verbrenner-Aus: Was wird aus Webers Plan?

Endlich! Die Menschheit hat es geschafft: Wir kehren zurück in die Zukunft – mit dem Verbrennungsmotor als leuchtendem Relikt der Industrie-Romantik. Ja, richtig gelesen: Laut EVP-Chef Manfred Weber haben sich EU-Politiker nun doch auf ein „Nein zum Ja zum Nein zum Aus“ des Verbrenners geeinigt. Oder um es mit politischen Fachbegriffen zu sagen: Bitte werfen Sie Ihre Elektromobilität wieder zurück in die Ladebucht und kehren Sie zum wohlig warmen Duft von Super Plus zurück.

Natürlich ist der Zeitpunkt dieses Meinungs-Loopings absoluter Zufall. Es hat definitiv nichts damit zu tun, dass demnächst Wahlen anstehen, und Politiker plötzlich das Gefühl haben, Wähler mit nostalgischem Benzindunst überzeugen zu können. Umwelt hin oder her – was zählt ist, dass Opa seinen Golf II nicht gegen einen leisen, sauberen, völlig langweiligen E-Scooter eintauschen muss.

Manfred Weber, der politische MacGyver der Verbrenner-Rettung, sieht darin natürlich eine historische Errungenschaft. Schließlich kann man nicht einfach hundert Jahre Verbrennungsmotor einfach so abstellen, nur weil Wissenschaft, Klimamodelle und gesunder Menschenverstand das vorschlagen. Wo kämen wir da hin? Ins 21. Jahrhundert etwa?

Und weil wir in Europa natürlich bekannt dafür sind, konsequent zu handeln wie eine Katze auf Valium, bleibt die Frage: Kommt das Verbrenner-Verbot nun oder nicht? Antwort: Ja. Nein. Vielleicht. Kommt drauf an, wie die Koalitionsverhandlungen laufen, ob es regnet und ob Ursula von der Leyen morgens mit dem linken Fuß aufsteht.

Aber immerhin: Die Autolobby kann beruhigt schlafen, die Tankstellen-Brezel bleibt gesichert und deutsche Autobauer sind wieder ganz vorne mit dabei – im 20. Jahrhundert. Während der Rest der Welt auf Elektro, Wasserstoff und Zukunft setzt, sagt Europa: „Hold my Diesel.“

Bleibt nur zu hoffen, dass die Kinder in 30 Jahren unsere Entscheidung verstehen werden. Vielleicht erklären wir’s ihnen ja bei einem Picknick auf dem Parkplatz – zwischen versunkenen Küstenstädten und den letzten Eisbären auf Instagram.